Neue Krankenhäuser, Robotisierung, klinische Forschung, Digitalisierung... die heute angestoßenen Großprojekte zeichnen bereits die Bedürfnisse von morgen ab.
Ein neues Krankenhaus zu bauen bedeutet längst nicht mehr nur, ein Gebäude zu errichten.
In Luxemburg spiegeln die derzeit laufenden Großprojekte eine viel tiefere Transformation wider: die eines Gesundheitssystems, das gleichzeitig seine Infrastruktur, seine Organisation, seine digitalen Werkzeuge, seine Logistik und seine Versorgungspfade neu denkt.
Die Gespräche mit Dr. Marc Berna, Generaldirektor der Hôpitaux Robert Schuman, und Dr. Martine Goergen, Generaldirektorin des Centre Hospitalier de Luxembourg, geben einen sehr konkreten Einblick in diese Entwicklung.
INVESTITIONEN, DIE DIE KRANKENHAUSLANDSCHAFT NEU GESTALTEN
Überall in Luxemburg bereiten sich die wichtigsten Krankenhäuser auf die Zukunft vor.
Bei den Hôpitaux Robert Schuman sind bereits mehrere strukturbildende Projekte angestoßen: ein neuer ambulanter Standort in Cloche d'Or, eine bedeutende Erweiterung des Standorts Kirchberg sowie eine schrittweise Modernisierung der Infrastruktur bis zum Horizont 2038.
Beim Centre Hospitalier de Luxembourg ist das Vorhaben ebenso ambitioniert. Ein neues Krankenhaus wird Ende 2029 eröffnet, bevor eine zweite Phase folgt, die der Schaffung eines Mutter-Kind-Zentrums gewidmet ist, im Rahmen eines Masterplans, der bis 2040 reicht.
Diese Dynamik geht weit über diese beiden Einrichtungen hinaus. Auch die übrigen Krankenhauszentren des Landes führen Erweiterungs-, Renovierungs- oder Neubauprojekte durch, die die luxemburgische Gesundheitslandschaft dauerhaft verändern werden.
DIE EIGENTLICHE BAUSTELLE IST DIE ORGANISATION
Auch wenn sich die Gebäude verändern, betonen die Krankenhausleiter vor allem die Transformation ihrer Arbeitsweise.
Für Dr. Marc Berna ist eines der zentralen Projekte die Schaffung einer nationalen Beschaffungs- und Logistikzentrale, die die Beschaffung, Lagerung und Verteilung von Medizinprodukten für alle luxemburgischen Krankenhäuser bündeln soll.
Langfristig wird sich diese Plattform stark auf Digitalisierung, Automatisierung und Robotisierung stützen, um die Logistikströme landesweit zu optimieren.
Dr. Martine Goergen beschreibt dieselbe Entwicklung innerhalb des künftigen CHL: eine robotisierte Apotheke, die Automatisierung interner Transporte, die Geolokalisierung von Medizintechnik, eine neue elektronische Patientenakte... Projekte, die eine gemeinsame Überzeugung widerspiegeln: Die Infrastruktur von morgen wird untrennbar mit der Digitalisierung verbunden sein.
DAS KRANKENHAUS, EIN KONZENTRAT AN TECHNOLOGIE
Die künftigen Einrichtungen werden Geräte beherbergen, die selbst auf europäischer Ebene noch selten sind.
Im CHL wird das neue Krankenhaus unter anderem zwei PET-Scanner, mehrere MRT-Geräte der neuesten Generation, einen Operationssaal mit robotisierten Hybridräumen, ein intraoperatives MRT für die Neurochirurgie sowie ein eigenes Labor für nuklearmedizinische Arzneimittel umfassen.
Bei den Hôpitaux Robert Schuman weist Marc Berna darauf hin, dass der Bedarf heute das gesamte Krankenhaus-Ökosystem betrifft:
- medizintechnische Ausrüstung;
- digitale Lösungen;
- Medizinprodukte;
- technische Infrastruktur;
- Robotik;
- Digitalisierung der Gebäude.
Mit anderen Worten: Diese Projekte betreffen weit mehr als den Bausektor. Sie mobilisieren die gesamte Gesundheitsbranche.
NEUE BERUFSBILDER ENTSTEHEN
Diese Entwicklung verändert auch die gefragten Kompetenzen.
Dr. Martine Goergen betont die wachsende Bedeutung von Digital Health Officers, Project Managern und Care Managern sowie von biomedizinischen Spezialisten, die in der Lage sind, an Geräten zu arbeiten, die nun stark mit den Informationssystemen der Krankenhäuser vernetzt sind.
Dr. Marc Berna erinnert seinerseits daran, dass ein Krankenhausprojekt heute eine Vielzahl an Fachwissen erfordert: technische Ingenieurskunst, Luft- und Wasseraufbereitung, Elektrik, Biomedizintechnik, digitale Infrastruktur sowie Logistik.
FORSCHUNG, LEHRE UND INNOVATION WERDEN UNTRENNBAR
Die Transformation betrifft nicht nur die Gebäude.
Luxemburg treibt auch die Entwicklung seines universitären und klinischen Forschungs-Ökosystems weiter voran.
So stärkt das CHL seine Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg, begleitet die Entwicklung medizinischer Ausbildungsgänge und ermutigt seine Ärzte, ihre Tätigkeit zwischen Krankenhaus und Universität aufzuteilen.
Marc Berna erwähnt zudem den Ausbau des nationalen klinischen Forschungsnetzwerks sowie den schrittweisen Aufbau eines echten dezentralen Universitätskrankenhauses.
WARUM SOLLTE MAN DIESE PROJEKTE SCHON JETZT VERFOLGEN?
Auch wenn einige Aufträge bereits vergeben sind, betonen beide Direktoren, dass noch zahlreiche Chancen bevorstehen.
In Luxemburg erstrecken sich die Krankenhausinvestitionen über mehrere Jahre und schaffen nach und nach neue Bedürfnisse in den Bereichen Ausrüstung, Dienstleistungen, Digitalisierung, Robotisierung und Organisation.
Für Marc Berna ermöglicht die Healthcare Week Luxembourg es Unternehmen genau, die Ausrichtung des Gesundheitssystems zu verstehen und die künftigen Bedürfnisse der Einrichtungen vorherzusehen.
Martine Goergen wiederum betont den Wert des Networkings, das in Luxemburg einzigartig ist, wo Gesundheitseinrichtungen, Institutionen, Experten, Industrievertreter und Investoren an einem Ort zusammenkommen, um die Kooperationen von morgen aufzubauen.
EINE TRANSFORMATION, DIE ERST BEGINNT
Die ersten Gebäude werden ab 2027 eröffnet, doch die meisten Großprojekte erstrecken sich bis 2040.
Über die Baustellen hinaus verändert sich die gesamte Organisation der Versorgung: vernetztere, stärker automatisierte Krankenhäuser, ausgerichtet auf klinische Forschung, das Wohlergehen des Pflegepersonals, die Patientenerfahrung und die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen.
All diese Veränderungen machen die Healthcare Week Luxembourg zu einem privilegierten Treffpunkt, um die Prioritäten des luxemburgischen Gesundheitssystems zu verstehen und diejenigen zu treffen, die es Tag für Tag mitgestalten.


